Wissenswertes - Narkose bei Haustieren

Chirurgische Eingriffe erfolgen ebenso wie Gebißsanierungen oder Röntgenuntersuchungen bei Tieren in Narkose. Unter Narkose versteht man die Schmerzausschaltung am ganzen Körper, die mit Muskelerschlaffung und tiefem Schlaf einhergeht.

 

Hierzu werden bestimmte Pharmaka (Narkotica, Anaesthetika) eingesetzt, die eine vorübergehende Aufhebung der Funktion der Nervenzellen bewirken. Der Hauptwirkort der Narkotica ist also das Gehirn, das Zentralnervensystem.
Gleichzeitig haben Narkotica aber auch Einfluß auf andere Körperfunktionen, wie z.B. Magen-Darm-Trakt, Atmung, Herz und Kreislauf. Hier kann es in seltenen Fällen zu unerwünschten Wirkungen kommen, die unter dem Begriff „Narkosezwischenfall“ oder „Narkoserisiko“ zusammengefaßt werden.

 

Dazu gehören z.B. Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Atemdepression, im schlimmsten Fall Herz-oder Atemstillstand.

 

Durch die Wahl bestimmter, moderner Narkosemittel, die auf jeden Patienten und dessen persönliche Situation individuell abgestimmt werden, kann das Narkoserisiko gering gehalten werden. Narkosezwischenfälle gehören somit zu den absoluten Ausnahmen!

 

Ein Großteil der Zwischenfälle kann, durch immer bereitstehende Medikamente und Hilfsmittel, erfolgreich bekämpft werden, z.B. durch Sauerstoffzufuhr, Beatmung, Infusion von Kreislaufstimulantien oder Antiarrhythmika.

 

Weiterhin tun wir alles, um mögliche Nebenwirkungen gering zu halten und es gar nicht erst zum Zwischenfall kommen zu lassen. Dazu gehört z.B. das Legen eines Venenkatheters, um immer Zugang zum Kreislauf zu haben, und eine Dauertropfinfusion, um den Blutdruck stabil zu halten und die Ausscheidung der Anaesthetica zu beschleunigen.

 

Ihr Tier wird intubiert, d.h. ein „Schlauch“ wird in die Luftröhre eingeführt, um die Atemwege freizuhalten und im Notfall beatmen zu können. Über Monitore wird während der Operation kontinuierlich die Herz-, Kreislauf- und Atemfunktion überwacht. Dazu gehören, je nach Bedarf:

 

1.) eine Dauer-EKG-Ableitung,
2.) eine kontinuierliche Blutdrucküberwachung,
3.) die Kontrolle des Sauerstoffgehaltes im Blut(periphere Sauerstoffsättigung),
4.) die Messung der Atemzüge pro Minute und
5.) die Messung der Kohlendioxid-Konzentration beim Ausatmen (Kapnographie).

 

Wenn nur einer der überwachten Parameter die geringsten bedenklich erscheinenden Veränderungen zeigt, können wir also schon eingreifen!

 

Natürlich müssen auch Sie, als Tierhalter, bestimmte Dinge beachten, um das Narkoserisiko zu minimieren.

 

Am Vortag der Narkose bitte beachten:
Durch den Einfluß der Narkotica auf den Magen-Darmtrakt und Gleichgewichtssinn kann es zum Erbrechen kommen. Da der Patient schläft und der Schluckreflex ausgeschaltet ist, kann es in der Aufwachphase durch Einatmen („Aspirieren“) von Erbrochenem zu schweren Komplikationen, angefangen von Lungenentzündung, bis hin zum Erstickungstod durch Verlegung der Luftröhre kommen.
Daher gilt vor jeder geplanten Vollnarkose: 12 -15 Stunden vor dem Eingriff darf keinerlei Futter gegeben werden, also in der Regel ab 17.00 Uhr des Vorabends der Narkose. Wasser dagegen ist bis zum Verlassen des Hauses zum Tierarzt erlaubt.

 

Am Narkosetag gilt:
Lassen Sie Ihrem Tier vor der Narkose noch einmal Gelegenheit, die Blase und evtl. den Darm zu leeren.
Achten Sie bitte darauf, dass Ihr Tier bei Regen- oder Schneewetter trocken in die Praxis kommt! Nasses Fell begünstigt Auskühlung, behindert beim Röntgen und erschwert steriles Arbeiten bei Operationen.
Ihr Tier sollte ausgeruht, d.h. mit Ruhe-Herz- und Atemfrequenz zum Narkosetermin erscheinen. Das heißt zu Fuß kommen ist erlaubt, aber nicht vorher noch toben lassen!

 

Nach dem Eingriff gilt:
Das Tier sollte in einer ruhigen Umgebung gehalten werden. Wasser kann angeboten werden, Futter nur, wenn der Patient nicht erbrochen hat. Erst eine kleine Portion geben, 15 min. warten, ob es auch wirklich im Magen bleibt, dann erst mehr.
Torkeliger, unsicherer Gang, vorgefallene Nickhaut und Erbrechen sind kein Grund zur Beunruhigung, sondern normale Nachwirkungen der Narkose.

Katzen bitte nicht unbeaufsichtigt in Räumen lassen, wo sie springen können (der Sprung aufs Sofa oder Bett könnte durch mangelnde Koordination misslingen!).

Freigängerkatzen bitte bis 24 Stunden nach der Narkose in der Wohnung lassen!

 

Gerade junge oder auch sehr kleine Tiere mit wenig Körperfett neigen dazu, nach der Narkose zu frieren. Eine Wärmflasche (Wassertemperatur nicht höher als 40°C) tut dann gute Dienste.

 

Die Erholungsphase ist abhängig von der Art des Eingriffs, bei Routine-Eingriffen am jungen, gesunden Tier (z.B. Kastration) ist sie natürlich deutlich kürzer als bei notfallmäßigen Operationen oder bei älteren, nieren- oder herzkranken Hunden oder Katzen.

Tiere mit Übergewicht scheiden aufgrund des höheren Körperfettanteils Narkosemittel langsamer aus. Sie sind also länger nach der Narkose „müde“.

 

Alle verordneten Medikamente müssen in der besprochenen Dosierung und Regelmäßigkeit verabreicht werden, um eine schnelle und schmerzlose Rekonvaleszenz nicht zu gefährden. Falls es Ihnen etwa nicht gelingt, Tabletten einzugeben, sprechen sie mit uns! Wir werden gemeinsam überlegen, wie das Problem zu lösen ist.